Bretagne
Ich habe noch nie so oft einen Regenbogen gesehen wie während dieses Urlaubes. Ist also gar kein so großer Nachteil, wenn das Wetter sich mehrmals am Tag ändert.
Für Fisch- und Meeresfrüchteliebhaber:innen ein wahres Eldorado - für Wein und Cidre gilt dasselbe. Aber nicht nur kulinarisch ist es ein Hochgenuss, auch landschaftlich hat die Bretagne viele Facetten. Und wir werden die Frage klären, warum Cidre aus Tassen getrunken wird.
Aber, ich gestehe - es geht nicht ohne Auto. Das bezieht sich aber nur auf den Aufenthalt. Die An- und Abreise funktioniert easy per Bahn.
Stand: September 2025
Aufenthalt: 11 Tage
Die Anreise
Von Wien per Zug nach Paris und dann stehen Dir sehr viele Verbindungen mit dem TGV zur Verfügung, die Dich schnell in die Bretagne bringen.
Unsere Route mit dem Zug war Wien - Paris - Vannes - Rennes - Paris - Wien.
In Vannes haben wir ein Mietauto genommen, das wir in Rennes wieder zurückgegeben haben.
Die Unterkunft
Wir hatten auf dieser Reise zwei Standorte. Die ersten 6 Tage haben wir in Vannes verbracht und die 2. Hälfte in Saint-Quai-Portrieux. In beiden Orten haben wir auf private Unterkünfte zurückgegriffen.
Die Verpflegung
Vannes
Unsere Lieblingsplätze für den Aperitif waren das Cafe Ferdinand und das Fraya. In beiden Lokalen sitzt Du mit schönem Blick auf den Hafen und kannst die Abendsonne herrlich genießen.
Und wenn Du Deinen Aperitif genossen hast, bieten sich viele Möglichkeiten ein gutes Essen zu genießen.
Das Signé Lecocq liegt in der Altstadt direkt beim Stadttor Porte Saint Vincent und damit sind die Zutaten für das schöne Sitzen im Freien auch schon perfekt. Weitere perfekte Zutaten, die köstlich verarbeitet werden, findest Du auch auf Deinem Teller. Die Auswahl ist abwechslungsreich und bietet Fisch und Fleischgerichte. Mein Mann hatte das Tartar und es war eines der Besten, das ich je probieren durfte. Es war asiatisch inspiriert gewürzt und hat sehr frisch und sommerlich geschmeckt. Vorweg hatte er eine Fischsuppe, die cremig und würzig war. Bei mir waren es zwei Fischgerichte und beides hat mir sehr gut geschmeckt. Es war frisch, im Sinne von den Zutaten, aber auch vom Geschmack her.
Das Le P'tit Belon ist direkt beim Fischmarkt und bietet Plätze im Freien und im Inneren auf zwei Ebenen - ein kleines und gemütliches Lokal. Als Vorspeise hatte ich gebackene Fischbällchen, die innen cremig und außen knusprig waren. Als Hauptgang Fischfilet auf Risotto, der Fisch war zart, bisschen glasig und das Risotto schön cremig.
Das Restaurant Nomad haben wir uns am letzten Abend gegönnt. Es ist etwas exklusiver, aber trotzdem sehr entspannt und angenehm. Meine Ceviche war eine ausgewogene Kombination aus würzig und zart, nämlich aus Knurrhahn und einem Sud von Langusten. Und nachdem ich doch viel Fisch gegessen habe während des Aufenthalts, war ich richtig froh als Abwechslung Schweinebauch auf der Karte zu finden. Und der war auch exklusiver zubereitet als es vielleicht klingt. Das Fleisch war sehr zart und es wurde von einer feinen Sauce begleitet. Dazu knackiges Gemüse und Kartoffelschaum. Auch die Käseauswahl ließ keine Wünsche offen und kam ohne Tamtam aus.
Und natürlich mussten es auch mal Galettes sein - in Vannes haben wir diese bei Les Joséphine gegessen. Die Einrichtung ist sehr heimelig, fast ein bisschen wie bei der Oma. Die Varianten der Galettes und Crepes scheint schier unerschöpflich. Ich hatte einer eher klassische mit Camembert und Äpfeln und mein Mann eine mit gegrillten Sardinen und Tomaten. Mir schmecken die Dinger einfach, es ist so ein richtiges Wohlfühlessen.
Saint-Quay-Portrieux
Le Café de la Plage thront über der Bucht und bietet Dir einen wunderbaren Blick auf den Ort und das Meer. Wir sind hier sehr gerne auf ein Glas Wein hergekommen und haben einfach nur den Ausblick in den wärmenden Strahlen der Abendsonne genossen. Einen Abend sind wir auch zum Essen geblieben und hatten ein köstliches und schmackhaftes Steak. Das Fleisch war mürbe, zart und gut abgestimmt gewürzt. Dazu Pommes, die irgendwie die Standardbeilage sind, aber meistens hausgemacht und sehr gut.
Le Poisson Rouge ist ein kleines Bistro am Hafen, das sich großer Belibtheit bei den Einheimischen erfreut. Wir waren Mittags dort und hatten Glück ohne Reservierung noch einen Platz zu bekommen. Auf der Karte stehen Galettes und Crepes und wir haben das "Standardmenü" sehr genossen.
Im Les Viviers de St Marc bekommst Du alles was im Meer so kreucht und fleucht und das natürlich frisch. An den Nachbartischen haben wir beeindruckende Platten mit Meeresspinnen, Hummern, Austern, Langusten und anderen Meeresfrüchten gesehen. Da haben wir uns nicht drüber getraut, weil wir nicht genau wissen wie man die Dinger knackt. Bei uns gab es Austern, Jakobsmuscheln und Hummer.
Locmariaquer
Ein ganz besonders schönes Plätzchen ist die Brasserie Étrille. Die Lage am Wasser mit einem naturbelassenen Garten in dem Du entspannte Stunden verbringen kannst, machen das Lokal zu etwas Besonderem. Der Garten ist Selbstbedienungsbereich und im Lokal und auf der Terrasse wirst Du bedient. Wir haben uns für Fish&Chips entschieden - knusprig fluffige Hülle, saftiger Fisch und hausgemachte Pommes. Es war an dem Abend etwas kühler und damit hatten wir das perfekte Wohlfühlwärmeessen auf dem Teller.
Rennes
Im Les Champs Rôtis durfte ich eine der besten Galette des Urlaubs genießen - mit pulled Porked und Rotkraut war es eine modernere Variante.
Meine Empfehlungen für Austern und Meeresfrüchte
Ty Lou
Imp. des Écoles, 56470 Saint-Philibert, Frankreich
Ambiente *****
Geschmack *****
Aussicht *****
Huîtrières du Château de Bélon
Rue du Port de Bélon, 29340 Riec-sur-Bélon, Frankreich
Ambiente *****
Geschmack *****
Aussicht *****
Les Viviers de St Marc
14 Rue de Saint-Marc, 22410 Tréveneuc, Frankreich
Ambiente ***
Geschmack *****
Aussicht ***
La Ferme des Nielles
Les Nielles, 35350 Saint-Méloir-des-Ondes, Frankreich
Ambiente ***
Geschmack *****
Aussicht ***
Ty Louise
10 Pl. Saint-Cornely, 56340 Carnac, Frankreich
Ambiente **
Geschmack *****
Aussicht **
Die Ausflüge
Vannes
gehört zu meinen Favoriten. Die Stadt versprüht extrem viel Charme und ist sehr gepflegt. In den engen Gässchen fühlst Du Dich ins Mittelalter zurückversetzt. Trotz einiger Touristen (in der Nebensaison sei an dieser Stelle angemerkt), ist es nie unangenehm voll gewesen. Durch die Altstadt bummeln und in eines der vielen Cafes einkehren oder entlang des Kanals in Richtung Golf von Morbihan gehen und die unberührte Natur genießen. Du kannst schier endlos am Wasser entlang gehen oder radeln. Mit der Kathedrale Saint-Pierre und dem Chateau de l'Hermine gibt es neben Museen auch kulturelle Highlights.
Kulinarisch bietet die Stadt sehr viel Angebot und Abwechslung.
Vannes auf einen Blick auf Instagram.
Belle-Île, Quiberon und Côte Sauvage
Von Quiberon dauert die Fährfahrt nach Belle-Île ca. 50 Minuten.
Buche die Fähre zeitgerecht, damit Du genügend Zeit hast und nicht, so wie wir, hetzen musst - einer der Anbieter ist BreizhGo Océane.
Die Insel läßt sich super mit dem Rad erkunden oder Du schnappst Dir ein Microlino und düst damit über die Insel - das hat uns viel Spaß gemacht und wir waren die Attraktion. Direkt am Hafen findest Du einige Anbieter.
Bei Belle-Île ist der Name Programm - kleine idyllische Orte und Wege entlang der Klippen mit herrlicher Aussicht machen die Insel zu einem Ausflugsziel, das unbedingt auf Deine Liste sollte.
Quiberon ist eine schöne Halbinsel, die zwei Seiten hat. Klar, möchte man meinen, aber mit zwei Seiten meine ich die Ost- und die Westseite. Ostseitig findest Du kilometerlange Sandstrände und im Westen die wildere Côte Sauvage.
Unsere Tour mit dem Microlino auf Instagram.
Quiberon und Côte Sauvage auf Instagram.
Mont St. Michel und St. Malo
Mont St. Michel ist beeindruckend und zwar so, dass das leider ganz viele andere auch dazu bringt hinzufahren. Mein Tipp: fahr möglichst früh hin. Wir waren am späten Vormittag dort und der Andrang, war trotz schlechten Wetters, enorm. Karawanen von Autos fahren zum Parkplatz und Karawanen von Menschen gehen dann auf die Insel. Du kannst auch einen Shuttle nutzen, falls Dir der Weg zu weit ist. Das Schöne am zu Fuß gehen ist, dass der beeindruckende Klosterberg dann langsam immer deutlicher zu erkennen ist. Kein Wunder, dass er einer der meistbesuchten Sehenswürdigkeiten ist. Es ist wirklich beeindruckend, wie die Abtei über dem Meer thront.
St. Malo ist auch eines der Highlights der Bretagne. Eine entzückende Altstadt mit mittelalterlichem Flair, die von einer beeindruckenden Stadtmauer umgeben ist, auf der Du entlang spazieren kannst. Das bietet Dir einen schönen Panoramablick auf das umliegende Meer und den, bei Ebbe, weitläufigen Strand.
Auf der Fahrt von Mont St. Michel nach St. Malo haben wir bei
La Ferme des Nielles
Les Nielles, 35350 Saint-Méloir-des-Ondes, Frankreich
haltgemacht und uns mit Moules Frites gestärkt.
Carnac
Ich weiß nicht ob ich das so sagen darf, aber Carnac ist das Stonehenge der Bretagne mit Strand. In der Bretagne gibt es viele Steine und in Carnac findest Du speziell viele davon. Auf schön angelegten Pfaden spazierst Du entspannt und kannst die Menhire aus nächster Nähe ansehen. Aber wie schon erwähnt, gibt es in Carnac auch einen Strand und zwar einen sehr weitläufigen und schönen.
Essen waren wir bei
Ty Louise
10 Pl. Saint-Cornely, 56340 Carnac, Frankreich
Pont Aven und Concarneau
Kunst, Romantik und Touristenströme haben unseren Ausflug geprägt.
Pont Aven ist ein kleiner beschaulicher Ort, in dem die Aura der Kunst herumwabert. Viele Galerien und Kunsthandwerk kannst Du in diesem Ort erleben. Kein Wunder, denn viele Künstler, deren Bilder heute unbezahlbar sind, haben diesen Ort im 19. Jahrhundert für sich entdeckt. Einer davon war Gaugin. Sehr interessant war es, einem Glasbläser bei der Arbeit zusehen zu dürfen.
Ein schmaler Pfad führt entlang des Flusses zum Bois d'Amour - ein mystischer Wald mit wunderschönen alten Baumriesen, die die Umgebung in ein angenehmes Licht tauchen.
Die Touristenströme haben uns mit voller Wucht in Concarneau mitgerissen - mir war das zuviel. In der Ville Close, der Altstadt auf der kleinen Insel, schieben sich die Touristen vorbei an allerlei Geschäften mit touristischem Nippes. Leider nimmt das einiges an Flair weg und der freie Blick auf die entzückenden Häuschen ist stark eingeschränkt. Mein Tipp: komm möglichst früh, damit Du die Stadt in Ruhe genießen kannst.
Côte de Granit Rose
Ein Spaziergang zum Leuchtturm (Phare de Ploumanac’h)
ist ein Muss, denn der Weg dorthin führt Dich direkt vorbei an den beeindruckenden Kolossen aus Granit. Es ist ein kurzer Spaziergang auf dem schmalen Pfad entlang der Küste mit immer wieder wunderbaren Ausblicken. Die Energie, die diese Felsen verströmt, ist spürbar und sehr besonders.
In der Creperie Ossa - BAR À GALETTES haben wir uns mit hervorragenden Galettes und Crepes gestärkt.
168 Rue Saint-Guirec, 22700 Perros-Guirec, Frankreich
Instagram
Saint-Quay-Portrieux
Ein kleines Städtchen mit Stränden, einem alten Hafen und einem Casino. Es wirkt ein bisschen in der alten Zeit stehengeblieben, aber in einer charmanten alten Zeit der klassischen Sommerfrische. Dieser Eindruck wird durch die vielen schönen alten Villen noch verstärkt.
Am Strand und an der Küste führt ein schmaler Pfad entlang. Du spazierst von Bucht zu Bucht und wenn Ebbe ist, öffnet sich das Meer quasi für Dich. Es ist wunderschön einfach dahin zu spazieren und sich die gute Meeresluft um die Nase wehen zu lassen - ich liebe das.
Rennes
In Rennes haben wir nur ein paar Stunden verbracht, da wir von dort mit dem Zug nach Paris gefahren sind. Das Wenige, das wir gesehen haben, hat uns aber überzeugt und ich empfehle für Rennes genügend Zeit einzuplanen. Eine schöne Altstadt mit imposanten Gebäuden und vielen Fachwerkhäusern, die teilweise windschief sind. Das macht es total charmant.
Mein Spaziergang durch Rennes auf Instagram.
Das Fazit
Eine Region, die sehr viele Facetten hat und Abwechslung bietet: Kulinarik, Geschichte, Natur, Sandstrände, Klippen und auch das Wetter bietet sehr viel Abwechslung - auf Regen folgt Sonnenschein und auch wieder Regen und damit es nicht fad wird, ist es auch windig.
Manche Orte haben ihre besten Zeiten teilweise hinter sich, aber sie verströmen trotzdem immer noch eine sehr reiz- und geheimnisvolle Aura.
Wir haben durchwegs wunderbar gegessen und es hat sich gezeigt, dass es nicht viel dafür braucht - Frische und Qualität sind die Zutaten, die glücklich machen. Ich dachte auch immer, das mir Galettes und Crepes als Menü sicher zuviel sind. Tja, ich wurde eines Besseren belehrt - geht sich alles aus.
Und wie versprochen, bekommst Du nun die Erklärung warum Cidre aus der Tasse getrunken wird. Es sind einerseits praktische Gründe und andererseits aus der Not heraus geboren. Praktisch deswegen, weil das Getränk länger kühl bleibt und sich das Aroma besser entfalten kann. Und aus der Not heraus, weil Glas für viele unerschwinglich war.